Wer im Schmuckhandel auf diese vier Namen trifft, hat es mit zwei sehr verschiedenen Welten zu tun. Keshi und Mabe sind Zuchtprodukte, die aus dem Alltag der Perlfarmen stammen und im mittleren Preissegment liegen. Conch und Melo dagegen sind Zufallsfunde aus dem Meer, gezählt in Stück pro Jahr und gehandelt zu Preisen, die bei mehreren tausend Euro je Karat beginnen.
Zwei Zuchtprodukte, zwei Naturperlen
Die Gruppe wirkt auf den ersten Blick wie ein Sammelbecken für alles, was nicht rund und weiß ist. Sie lässt sich aber sauber teilen. Keshi und Mabe kommen aus Perlfarmen, also aus Austern, in die ein Mensch Gewebe oder einen Kern eingesetzt hat. Sie sind Zuchtperlen im Sinne der Handelsregeln des Weltverbands CIBJO, auch wenn sie anders aussehen als die klassische Kugel. Conch und Melo dagegen stammen aus Meeresschnecken, die kein Perlmutt bilden. Sie entstehen ohne menschliches Zutun und gehören zu den seltensten Naturperlen überhaupt.
Der zweite Unterschied liegt im Material. Klassische Perlen und Keshi bestehen aus Perlmutt, das sind winzige, übereinander geschichtete Plättchen aus Aragonit, einer Kristallform des Kalziumkarbonats. Mabe tragen eine dünne Perlmuttschicht auf einem Fremdkörper. Conch und Melo bauen ihr Kalziumkarbonat in gekreuzten Bündeln auf, sie schimmern nicht, sondern zeigen ein Flammenmuster. Wer die Grundlagen der Zucht kennt, versteht die Sonderformen schneller: Wie Zuchtperlen entstehen erklärt Nukleus und Mantelgewebe im Detail.
Keshi, die Perle ohne Kern
Keshi ist japanisch und bedeutet Mohnsamen. Der Name stammt aus der Akoya-Zucht, wo diese Perlen tatsächlich winzig sind, meist um 2 mm. Sie entstehen, wenn die Auster den eingesetzten Kern abstößt, das verpflanzte Mantelgewebe aber im Tier bleibt und einen eigenen Perlsack bildet. Der Perlsack, das ist die Gewebehülle, die Perlmutt absondert, arbeitet dann ohne Kern weiter. Das Ergebnis ist eine Perle, die von innen bis außen aus Perlmutt besteht. CIBJO führt sie unter Definition 5.106 als nicht kernhaltige Zuchtperle und als Nebenprodukt der Zucht.
In den Südsee- und Tahiti-Farmen fallen Keshi deutlich größer aus. Das Perlenforum nennt 9 bis 12 mm als Durchschnitt für Südsee-Keshi, Rapaport berichtet von Einzelstücken über 25 mm. Weil kein Kern die Form vorgibt, ist jede Keshi barock, also unregelmäßig, und oft flach oder gefaltet. Ihr Glanz gehört zu den intensivsten aller Perlen. Nach der CIBJO-Definition von 2009 darf der Begriff Keshi nur für Perlen aus Salzwasseraustern verwendet werden. Chinesische Süßwasserstücke ähnlicher Bauart heißen deshalb korrekt keshiartig. Preislich liegt ein Strang Tahiti-Keshi nach Rapaport bei etwa 4.000 US-Dollar, keshiartige Süßwasser-Stränge von 10 bis 12 mm bei rund 1.800 US-Dollar.
Mabe, die Halbperle aus der Schaleninnenseite
Eine Mabe wächst nicht frei im Gewebe, sondern an der Innenwand der Muschelschale. Der Züchter klebt einen halbrunden Kern aus Kunststoff, Ton oder Perlmutt auf die Perlmuttschicht der Schale. Die Auster überzieht diesen Fremdkörper wie eine Blase mit Perlmutt. Nach 6 bis 12 Monaten ist die Schicht 0,7 bis 1,5 mm dick. Dann wird die Blase mit einer Säge aus der Schale getrennt, der Kern herausgelöst, der Hohlraum mit Kunstharz gefüllt und mit einer Perlmuttscheibe verschlossen. Die fertige Halbperle ist also ein zusammengesetztes Stück aus drei Teilen. CIBJO nennt sie darum „assembled cultured blister“, zusammengesetzte Zuchtblisterperle, Definition 5.14.
Der Name kommt von der Muschelart Pteria penguin, in Japan Mabe-gai genannt, die nach Angaben der deutschen Wikipedia etwa 75 Prozent der Produktion trägt. Auch Südseeaustern der Art Pinctada maxima liefern Mabe. Üblich sind Durchmesser von 10 bis 20 mm, Einzelstücke erreichen 25 mm. Weil die Form vom Kern vorgegeben wird, gibt es Mabe als Halbkugel, Tropfen, Herz oder Oval. Sie sitzen fast immer in Ohrsteckern, Anhängern und Ringen, wo die flache Rückseite verborgen bleibt. Preislich sind sie günstiger als runde Zuchtperlen gleicher Größe, weil die Zucht schnell geht und die Auster mehrere Kerne gleichzeitig trägt.
| Merkmal | Keshi | Mabe | Conch | Melo |
|---|---|---|---|---|
| Herkunftstier | Perlaustern (Akoya, Pinctada maxima, Tahiti) | Pteria penguin, Pinctada maxima | Fechterschnecke Aliger gigas | Meeresschnecke Melo melo |
| Entstehung | Zucht, ohne Kern | Zucht, Halbkern an der Schale | natürlich, nicht gezüchtet | natürlich, nicht gezüchtet |
| Struktur | 100 Prozent Perlmutt | Perlmuttschicht 0,7 bis 1,5 mm auf Harz | Aragonit, kreuzlamellar, kein Perlmutt | Aragonit, verflochten, kein Perlmutt |
| Optik | Lüster, oft Orient | Lüster, gewölbte Fläche | Flammenmuster, porzellanartig | Flammenmuster, porzellanartig |
| Farbe | weiß, creme, gold, grau bis schwarz | weiß, silber, rosé | rosa bis rot, auch weiß, braun | gelborange bis orange |
| Größe | 2 mm (Akoya) bis über 25 mm (Südsee) | 10 bis 20 mm, bis 25 mm | meist wenige Karat, Ausnahmen bis etwa 80 Karat | bis nahe 400 Karat, rund 37 mm |
| Preisniveau | Tahiti-Strang etwa 4.000 US-Dollar, keshiartige Süßwasserstränge rund 1.800 US-Dollar | mittleres Segment, unter runden Zuchtperlen gleicher Größe | 2.000 bis 15.000 US-Dollar je Karat | Einzelstücke sechsstellig |
Conch, rosa Flammen aus der Fechterschnecke
Die Fechterschnecke, wissenschaftlich Aliger gigas, früher Lobatus gigas oder Strombus gigas, lebt in der Karibik, vor den Bahamas und den Florida Keys. Ihre Schale wird bis 30 cm lang, und sie wird vor allem wegen ihres Fleischs gefangen. Die Perle ist ein Zufallsfund beim Ausnehmen. Wie selten sie ist, hängt von der Zählweise ab: The Jewellery Editor nennt eine Perle je 10.000 bis 15.000 Schnecken, von denen weniger als 10 Prozent Schmuckqualität erreichen. Die britische Gemmological Association setzt die Spanne noch weiter, bei einer Perle je 50.000 bis 2.000.000 Schalen. Beide Angaben führen zum gleichen Ergebnis: Eine schöne Conchperle ist ein Fund, kein Produkt.
Ihre Farbe reicht von zartem Rosa über kräftiges Pink bis zu Braun und Weiß. Das begehrteste Merkmal ist die Flammenstruktur, ein seidiges, bewegliches Muster, das an züngelnde Flammen erinnert. Die meisten Conchperlen wiegen nur wenige Karat, das schwerste bekannte Stück nach Angaben der Gemmological Association etwa 80 Karat. Nach Preisangaben von The Jewellery Editor kosten gute, aber nicht makellose Perlen 2.000 bis 3.000 US-Dollar je Karat, Spitzenstücke 4.000 bis 7.000 US-Dollar, Ausnahmen bis 15.000 US-Dollar je Karat. Den Auktionsrekord hält ein Cartier-Armband aus den späten 1920er Jahren aus dem Besitz der spanischen Königin Victoria Eugenia: geschätzt auf 750.000 bis 1.300.000 CHF, verkauft am 14. November 2012 bei Sotheby's in Genf für 3.274.500 CHF.
Melo, die orange Perle aus dem Indopazifik
Melo melo ist eine große Meeresschnecke aus den flachen Küstengewässern von Vietnam, Myanmar, Thailand und Malaysia. Ihre Schale wird ebenfalls bis 30 cm lang. Die Perle, die sie gelegentlich bildet, ist in ihrer Farbe einzigartig: gelborange bis leuchtend orange, mit derselben Flammenstruktur wie die Conchperle, nur gröber und mit gezackten Rändern. Melo-Perlen gehören zu den größten Naturperlen überhaupt. Die Gemmological Association beschreibt ein berühmtes Stück mit rund 37 mm Durchmesser und fast 400 Karat. Die Brosche „Gran Dama“ von Gianmaria Buccellati trägt eine Melo-Perle von 98,67 Karat, die das GIA zu den größten der Welt zählt.
Gezüchtet werden Melo-Perlen nicht. Jede echte Melo ist eine Naturperle, und genau das macht den Markt eng. Als Christie's in Hongkong erstmals eine Melo-Perle von 23 × 19,35 mm anbot, lag die Schätzung bei 20.000 bis 30.000 US-Dollar, der Zuschlag bei 488.311 US-Dollar. Die Nachfrage aus Asien, vor allem aus Vietnam, trägt diese Preise.
Warum Conch und Melo nicht schimmern
Der Lüster einer klassischen Perle entsteht durch Lichtbrechung an tausenden übereinander liegenden Aragonitplättchen, dem Perlmutt. Conch und Melo bestehen ebenfalls aus Aragonit, aber die Schnecke ordnet die Kristalle anders an: in gekreuzten Bündeln, die CIBJO als kreuzlamellare Mikroarchitektur beschreibt. Das GIA nennt für Melo eine verflochtene Aragonit-Lamellenstruktur. Diese Anordnung erzeugt keinen Schimmer, sondern das Flammenmuster und einen porzellanartigen Glanz. Calcit, die zweite Kristallform des Kalziumkarbonats, spielt hier keine Rolle; sie findet sich bei Kammmuschel- und Steckmuschelperlen. Eine gefärbte Calcit-Kugel war 2024 im GIA-Labor sogar der Beleg für eine Melo-Imitation.
Eine nicht perlmuttartige Naturperle aus Kalziumkarbonat, konzentrisch angeordnet in einer kreuzlamellaren Mikroarchitektur. Dieses Strukturmerkmal erzeugt in der Regel ein flammenartiges Oberflächenmuster und einen porzellanartigen Schein.
CIBJO Pearl Book 2024, Definition 5.48 Conch Pearl, übersetzt
Lange stritt der Handel, ob solche Stücke überhaupt Perlen heißen dürfen; das Fachwort lautete „calcareous concretion“, Kalkkonkretion. Das Pearl Book 2024 des Weltverbands CIBJO führt Conch und Melo heute ausdrücklich unter Definition 5.141 als „non-nacreous natural pearls“, nicht perlmuttartige Naturperlen. Auch das GIA stellt Berichte für sie aus, in denen Art, natürliche Entstehung und Behandlungsfreiheit bestätigt werden. Der Unterschied zwischen Natur- und Zuchtperle bleibt dabei die wichtigste Grenze im Handel, wie Naturperle oder Zuchtperle zeigt.
Was das beim Kauf bedeutet
Für Keshi und Mabe gelten die üblichen Regeln der Zuchtperle: Lüster, Oberfläche und Farbe entscheiden, ein Zertifikat ist bei Preisen im dreistelligen Bereich nicht üblich. Bei Mabe lohnt ein Blick auf die Perlmuttschicht. Ist sie dünner als 0,7 mm, kann sie im Lauf der Jahre reißen oder sich vom Harz lösen. Keshi sollten als Salzwasserzucht ausgewiesen sein, sonst handelt es sich meist um Süßwasserware, die weniger kostet. Für Conch und Melo dagegen ist ein Laborbericht Pflicht. GIA und SSEF prüfen, ob es sich um eine Naturperle der genannten Art handelt und ob die Farbe unbehandelt ist. Eine Melo ohne Bericht zu kaufen wäre, als kaufte man einen Rubin ohne Papiere.
Ein Wort zur Kultur der Conchperle: CIBJO kennt seit einigen Jahren die Definition „cultured conch pearl“, weil am Harbor Branch Oceanographic Institute der Florida Atlantic University Zuchtversuche liefen, die bis November 2009 mehr als 200 Perlen ergaben. Im Handel spielt das bisher keine Rolle, verkaufsfähige Zuchtware gibt es nicht. Wer eine Conch angeboten bekommt, kauft also eine Naturperle, und wer eine geerbte Sonderperle besitzt, sollte sie schätzen lassen; Ablauf und Kosten stehen in Perlen geerbt.
Häufige Fragen
Sind Keshi-Perlen Naturperlen?
Nein. Keshi entstehen zwar ohne Kern, aber in einer Zuchtauster, in die ein Mensch Gewebe eingesetzt hat. CIBJO führt sie darum als kernlose Zuchtperlen (Definition 5.106). Sie bestehen zu 100 Prozent aus Perlmutt und sind oft besonders glanzstark, bleiben aber Zuchtware.
Wie groß werden Keshi-Perlen?
Akoya-Keshi messen meist nur etwa 2 mm, daher der Name Mohnsamen. Südsee- und Tahiti-Keshi erreichen im Schnitt 9 bis 12 mm, Einzelstücke über 25 mm. Weil kein Kern die Form bestimmt, sind sie immer barock.
Was ist eine Mabe-Perle genau?
Eine Mabe ist eine Halbperle, die an der Innenseite der Muschelschale über einem aufgeklebten Halbkern wächst. Nach 6 bis 12 Monaten hat sich eine Perlmuttschicht von 0,7 bis 1,5 mm gebildet. Sie wird ausgeschnitten, der Kern entfernt, der Hohlraum mit Harz gefüllt und mit Perlmutt hinterlegt.
Warum sind Conchperlen so teuer?
Weil sie nicht gezüchtet werden und nur etwa 1 von 10.000 bis 15.000 Fechterschnecken überhaupt eine Perle trägt, davon weniger als 10 Prozent in Schmuckqualität. Gute Stücke kosten 2.000 bis 7.000 US-Dollar je Karat, Ausnahmen bis 15.000 US-Dollar. Ein Cartier-Armband mit Conchperlen erzielte 2012 bei Sotheby's 3.274.500 CHF.
Haben Conchperlen und Melo-Perlen Perlmutt?
Nein. Beide bestehen aus Aragonit wie klassische Perlen, aber die Kristalle liegen in gekreuzten Bündeln statt in Plättchen. Deshalb schimmern sie nicht, sondern zeigen ein Flammenmuster und einen porzellanartigen Glanz. CIBJO nennt sie nicht perlmuttartige Naturperlen.
Welche Farbe hat eine Melo-Perle?
Gelborange bis leuchtend orange, selten auch weiß. Melo-Perlen gehören zu den größten Naturperlen: Die Brosche Gran Dama trägt eine Melo von 98,67 Karat, das schwerste bekannte Stück wiegt fast 400 Karat bei rund 37 mm.
Quellen
- CIBJO Pearl Book 2024 (Definitionen 5.14, 5.48, 5.56, 5.106, 5.112, 5.119, 5.141) CIBJO, The World Jewellery Confederation
- Understanding rare non-nacreous pearls Gemmological Association of Great Britain
- Lab Notes: Two Imitation Melo Pearls (Gems & Gemology, Fall 2024) GIA, Gemological Institute of America
- Gran Dama Brooch Featuring Large Melo Pearl (Gems & Gemology) GIA, Gemological Institute of America
- Conch pearls: what are they and why are they so valuable? The Jewellery Editor
- Lot 594: Conch pearl, enamel and diamond bracelet, Cartier, late 1920s (Magnificent Jewels, Genf, 14.11.2012; Ergebnis laut The Jewellery Editor) Sotheby's
- Defining Keshi Rapaport Magazine
- Keshi Perlen (Mohnsamen Perlen) entstehen per Zufall Perlenforum
- Mabé-Perle Wikipedia (Drittquelle)
- Melo Pearl, Artikel von David Federman zu den Christie's-Auktionen in Hongkong Pearl-Guide.com
- Creating Cultured Pearls From The Queen Conch: Scientists Unlock Mystery (05.11.2009) ScienceDaily / Florida Atlantic University



