Wer eine Perlenkette kauft, liest fast immer drei Buchstaben: AAA. Sie wirken wie ein Siegel, sind aber eine Konvention des Handels, die jeder Anbieter mit eigenen Zahlen füllt. Dahinter stehen vier Systeme mit ganz unterschiedlicher Verbindlichkeit, und wer sie kennt, erkennt ein gutes Angebot auf den ersten Blick.

Sieben Faktoren, auf denen jede Bewertung ruht

Das Gemological Institute of America, kurz GIA, das gemmologische Institut, dessen Diamantskala weltweit gilt, beschreibt Perlen nicht mit Buchstaben, sondern mit sieben Wertfaktoren: Größe, Form, Farbe, Lüster, Oberflächenqualität, Perlmuttqualität und Matching. Lüster meint die Schärfe der Spiegelung auf der Perle. Matching meint, wie gleichmäßig die Perlen eines Strangs in Größe, Farbe und Glanz zueinander passen. Jeder Faktor wird für sich beschrieben, eine Gesamtnote gibt es nicht.

Beim Lüster kennt das GIA fünf Stufen: Excellent mit hellen, scharfen Reflexionen, Very Good mit hellen, fast scharfen Reflexionen, Good mit hellen, aber an den Rändern verschwommenen Reflexionen, Fair mit schwachen und Poor mit matten Spiegelungen. Ein Report des GIA ist damit eine Beschreibung, keine Rangliste, und genau das macht ihn belastbar.

Die Händlerskala A bis AAA und ihre Lücke

Die Buchstabenskala von A bis AAA gilt im Handel in Japan und Hongkong und ist im Verkauf von Akoya-, Südsee- und Süßwasserperlen verbreitet. AAA steht für die höchste Stufe, mehr als drei A gibt es im Ursprungssystem nicht. Das deutsche Perlenforum formuliert es unmissverständlich: Es gibt kein einheitliches, allgemein anerkanntes Bewertungssystem für Perlenqualität. Jeder Händler zieht seine Grenzen selbst, und sie liegen erkennbar auseinander.

Ein Vergleich zweier deutscher Anbieter zeigt das Ausmaß. Der Juwelier Brogle definiert AAA als runde Perle mit starkem Lüster, deren Oberfläche zu 95 Prozent frei von Wachstumsmerkmalen ist, bei einer Perlmuttschicht von mindestens 0,7 mm. Edelkontor setzt für AAA mindestens 98 Prozent fehlerfreie Oberfläche an. Die Zwischenstufe AA+ führen beide mit 90 Prozent, Brogle verlangt dafür zusätzlich 0,5 mm Perlmutt. Brogle bezeichnet seine Tabelle ausdrücklich als beispielhaft und nur zur Orientierung gedacht. Beide Definitionen sind in sich schlüssig, vergleichbar sind sie nicht. Wer bei einem Händler AAA kauft, kauft beim anderen möglicherweise AA+.

Was AAA, AA und A bei zwei deutschen Händlern bedeuten
StufeBrogleEdelkontor
AAA95 % Oberfläche fehlerfrei, Perlmutt ab 0,7 mm, starker Lüster98 % Oberfläche fehlerfrei, glänzender Lüster
AA+90 % Oberfläche fehlerfrei, Perlmutt ab 0,5 mm, glanzvoller Lüster90 % Oberfläche fehlerfrei, nahezu makellos
AA80 % Oberfläche fehlerfrei, Perlmutt ab 0,35 mm85 % Oberfläche fehlerfrei
Aunregelmäßige Form, Perlmutt unter 0,2 mm, schwacher Lüsterüber 25 % der Oberfläche mit Wachstumsmerkmalen

Beide Händler warnen vor Angeboten mit vier A, Edelkontor auch vor fünf. Solche Stufen existieren in keinem System. Wer sie liest, fragt besser nach Prozent und Millimetern. Was eine Perle je nach Art ohnehin unterscheidet, zeigt der Vergleich Akoya, Südsee, Tahiti oder Süßwasser.

Tahiti regelt die Klassen per Gesetz

Für Tahiti-Perlen gilt etwas Seltenes, nämlich eine staatliche Klassifizierung. Französisch-Polynesien regelt Zucht und Vermarktung im Landesgesetz Nr. 2017-16 vom 18. Juli 2017, das die Verordnungen der Jahre 1993 bis 2005 abgelöst hat. Die für die Perlenzucht zuständige Behörde kontrolliert Perlen nach der Ernte und vor der Ausfuhr und versiegelt die Lose. Die Kontrolle prüft Herkunft und Registrierung, seit 2017 keine Mindestdicke mehr. Ausführen darf nur, wer eine Berufskarte besitzt und die Kontrolle durchlaufen hat.

Die Klassen richten sich nach dem Anteil der Oberfläche mit Fehlern. Das Gesetz nennt die Kriterien, die Prozentgrenzen stehen in seiner Durchführungsverordnung. Klasse A erlaubt höchstens einen Fehler oder eine Gruppe leichter Fehler auf maximal 10 Prozent der Oberfläche bei sehr feinem Lüster. Klasse B erlaubt leichte Fehler auf höchstens 30 Prozent, Klasse C auf höchstens 60 Prozent, jeweils mit Lüster von sehr gut bis mittel. Klasse D umfasst Perlen mit leichten Fehlern auf mehr als 60 Prozent oder mit tiefen Fehlern auf bis zu 60 Prozent der Oberfläche. Ein Pluszeichen kennzeichnet außergewöhnlichen Lüster.

Eine Regel ist dabei gefallen. Bis 2016 mussten Tahiti-Perlen eine Perlmuttschicht von mindestens 0,8 mm auf 80 Prozent der Oberfläche nachweisen, sonst wurden sie vernichtet. Seit Januar 2017 gibt es diese Mindestdicke nicht mehr, auch dünnschalige Perlen dürfen die Kontrolle passieren. Die Perlmuttdicke ist heute ein Zusatzkriterium, das die Behörde auf Antrag per Röntgen bestimmt.

Hanadama, das bekannteste Laborsiegel

Hanadama, japanisch für Blumenperle, ist die bekannteste Qualitätsbezeichnung, hinter der ein Labor mit festen Messwerten steht. In Japan vergeben mehrere Prüfstellen den Titel nach eigenen Kriterien, dieselbe Kette kann bei einem Labor Hanadama sein und beim anderen nicht. Maßgeblich ist das Pearl Science Laboratory in Tokio, das darüber noch die Stufen Aurora Hanadama und Aurora Tennyo kennt. Das Labor wurde 1978 gegründet, hat sein Bewertungssystem im Jahr 2000 patentieren lassen und vergibt das Zertifikat ausschließlich für Akoya-Perlen. Jeder Strang erhält eine eigene Zertifikatsnummer.

Die Prüfung umfasst vier Messungen. Die Perlmuttdicke muss mindestens 0,4 mm je Seite betragen, also 0,8 mm über den Kern gerechnet, nachgewiesen per Glasfaseroptik und weichem Röntgen. Der Lüster wird als Teri-Wert gemessen, das ist der Anteil des reflektierten Lichts an der Oberfläche, und muss die Stufe sehr stark erreichen. Unter Vergrößerung dürfen je Perle weniger als 5 Prozent der Oberfläche Einschlüsse zeigen, und im gesamten Strang ist nur ein einziger tiefer Einschluss erlaubt. Der Aurora-Test zeigt mit Durchlicht von unten das Farbenspiel, den sogenannten Orient, meist in Rosa und Grün. Perlen unter 6 mm werden nicht zertifiziert, die meisten Akoya-Perlen liegen ohnehin bei 7 bis 8 mm.

Praxis-Tipp: Ein Hanadama-Zertifikat trägt die Nummer des Strangs. Bei einer neu geknoteten oder gekürzten Kette gilt es streng genommen nicht mehr für das Stück in der Hand. Wer eine zertifizierte Kette kauft, sollte die Zertifikatsnummer mit dem Anhänger am Strang vergleichen und das Zertifikat mit der Rechnung aufbewahren.

Was das GIA seit 2023 dazu sagt

Am 6. September 2023 hat das GIA angekündigt, den Handelsbegriff Hanadama auf seinen Pearl Classification Reports zu vermerken. Voraussetzung ist eine Akoya-Zuchtperle, die alle sechs Merkmale zugleich erfüllt: runde bis fast runde Form, weiße Grundfarbe mit oder ohne Überton, Lüster Excellent, Oberfläche clean bis lightly spotted, Matching Excellent bis Very Good sowie ausreichende Perlmuttdicke und -qualität. Ein Aufpreis wird dafür nicht berechnet.

These pearls fall into the select quality range that is known in the trade as 'Hanadama'.

Wortlaut des Vermerks auf GIA-Reports laut Pressemitteilung des GIA vom 6. September 2023

Der Unterschied zum japanischen Zertifikat liegt im Detail. Das GIA nennt keine Millimeterzahl für die Perlmuttdicke. Händler berichten im Fachforum Pearl-Guide, dass die Dicke innerhalb eines Strangs zwischen 0,4 und über 1 mm schwankt und das GIA deshalb mit Vergleichssträngen arbeitet. Das Pearl Science Laboratory misst und druckt die Dicke aufs Zertifikat. Das GIA bestätigt die Einordnung, das japanische Labor liefert die Messwerte.

Vier Systeme im Vergleich

Perlen-Grades: Wer sie vergibt und wie verbindlich sie sind
SystemVergabestelleKriterienVerbindlichkeit
7 WertfaktorenGIA, unabhängiges LaborGröße, Form, Farbe, Lüster, Oberfläche, Perlmutt, Matching, je Faktor beschriebenNachprüfbarer Report, keine Gesamtnote
A bis AAAJeder Händler selbstAnteil fehlerfreier Oberfläche, Lüster, Form; Grenzen je Anbieter zwischen 95 und 98 % für AAAKeine Norm, nur innerhalb eines Händlers vergleichbar
A bis D (Tahiti)Behörde Französisch-PolynesiensFehler auf höchstens 10, 30 oder 60 % der Oberfläche, Lüster; Perlmutt auf AntragLandesgesetz 2017-16 mit Durchführungsverordnung, Kontrolle nach Ernte und vor Ausfuhr
HanadamaPearl Science Laboratory Tokio, weitere japanische Prüfstellen mit eigenen KriterienPerlmutt ab 0,4 mm je Seite, Einschlüsse unter 5 %, Teri-Wert, Aurora-TestLaborzertifikat mit Nummer, nur Akoya
Hanadama-VermerkGIA seit 6. September 2023Sechs Merkmale zugleich, u. a. Lüster Excellent, Oberfläche clean bis lightly spottedZusatzvermerk auf dem Report, kein Aufpreis

Ein Preisvergleich über Händler hinweg funktioniert nur mit Zahlen. Wer zwei AAA-Ketten nebeneinanderlegt, vergleicht zwei Definitionen. Wer zwei Reports mit Perlmuttdicke, Lüsterstufe und Anteil fehlerfreier Oberfläche nebeneinanderlegt, vergleicht zwei Perlen. Wie sich das in Euro niederschlägt, steht in der Übersicht Was kostet eine Perlenkette.

So liest man ein Angebot richtig

Ein seriöses Angebot übersetzt seine Buchstaben in Messwerte. Fehlen sie, beantwortet ein guter Händler die Nachfrage schriftlich. Fünf Angaben genügen, um jede Bezeichnung einzuordnen.

  • Anteil der fehlerfreien Oberfläche in Prozent statt nur der Buchstaben.
  • Perlmuttdicke in Millimetern; bei Akoya sind 0,4 mm je Seite die Hanadama-Grenze des Pearl Science Laboratory, bei Tahiti galten bis 2016 0,8 mm als Mindestwert.
  • Lüster in einer der fünf GIA-Stufen von Excellent bis Poor.
  • Form und Matching im Strang, also ob alle Perlen in Größe und Farbton zusammenpassen.
  • Bei Zertifikaten die Nummer, das Labor und das Datum; ein Hanadama-Zertifikat ohne Strangnummer ist kein Zertifikat.

Bei geerbten Ketten fehlen diese Angaben fast immer. Dann lohnt eine unabhängige Schätzung, die den Strang nach den sieben Faktoren beschreibt und die Perlmuttdicke misst. Was das kostet und wie es abläuft, erklärt der Beitrag Geerbte Perlen schätzen lassen.

Glanzvergleich

Links matt, rechts spiegelnd: Der Glasrand lässt sich ziehen. Derselbe Strang, nur der Lüster ändert sich.

mattspiegelnd

Häufige Fragen

Ist AAA bei Perlen eine offizielle Qualitätsstufe?

Nein. A bis AAA ist eine Handelskonvention aus Japan und Hongkong, für die es keine Norm gibt. Deutsche Händler setzen für AAA zwischen 95 und 98 Prozent fehlerfreie Oberfläche an, die Grenzen weichen also schon im Inland ab. Vergleichbar ist die Stufe nur innerhalb eines Anbieters.

Was bedeutet Hanadama bei Akoya-Perlen?

Hanadama ist eine japanische Laborbezeichnung für Akoya-Perlen der obersten Qualität. Beim Pearl Science Laboratory in Tokio verlangt sie mindestens 0,4 mm Perlmutt je Seite, unter 5 Prozent Einschlüsse je Perle, höchstens einen tiefen Einschluss im Strang und den Lüsterwert sehr stark. Jeder Strang bekommt eine eigene Zertifikatsnummer. Andere japanische Prüfstellen vergeben den Titel nach eigenen Kriterien.

Gibt es AAAA-Perlen?

In keinem der bekannten Systeme. Das Ursprungssystem endet bei drei A, und Fachhändler wie Brogle und Edelkontor warnen ausdrücklich vor Angeboten mit mehr als drei A. Solche Bezeichnungen sollen eine Qualität suggerieren, die sich nicht belegen lässt.

Welche Wertfaktoren nutzt das GIA für Perlen?

Das GIA beschreibt Perlen nach sieben Faktoren: Größe, Form, Farbe, Lüster, Oberflächenqualität, Perlmuttqualität und Matching. Für den Lüster gibt es fünf Stufen von Excellent bis Poor. Eine Gesamtnote vergibt das GIA nicht.

Wie werden Tahiti-Perlen klassifiziert?

Französisch-Polynesien regelt die Klassen A bis D auf Grundlage des Landesgesetzes 2017-16 vom 18. Juli 2017 und seiner Durchführungsverordnung. Klasse A erlaubt Fehler auf höchstens 10 Prozent der Oberfläche, B auf 30 Prozent, C auf 60 Prozent, D liegt darüber oder hat tiefe Fehler. Die frühere Pflicht von 0,8 mm Perlmutt gilt seit Januar 2017 nicht mehr.

Seit wann steht Hanadama auf GIA-Reports?

Seit dem 6. September 2023. Das GIA vermerkt den Begriff, wenn eine Akoya-Zuchtperle sechs Merkmale zugleich erfüllt, darunter Lüster Excellent und eine Oberfläche von clean bis lightly spotted. Der Vermerk kostet keinen Aufpreis.

Quellen

  1. Pearl Quality Factors Gemological Institute of America (GIA)
  2. GIA Adds 'Hanadama' Quality Range Comment to All Pearl Classification Reports GIA, Pressemitteilung vom 6. September 2023
  3. Understanding the Hanadama Pearl Certificates Pure Pearls
  4. What are Hanadama pearls? Evaluation criteria and definitions Ginza Repearl
  5. GIA adds Hanadama Quality Indicator to Certificates Pearl-Guide.com
  6. Legislation concerning pearls in French Polynesia Taaroa Bijoux
  7. How to classify Tahitian Pearls Taaroa Bijoux
  8. Tahitian minimum nacre depth law scrapped Pearlescence
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  10. A-AAA System Edelkontor
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