Über Jahrhunderte kam nahezu jede bedeutende Perlenkette Europas und Indiens aus dem Wasser zwischen Bahrain, Katar und der Küste der heutigen Emirate. Der Handel ist seit der Antike belegt, sein Höhepunkt lag zwischen 1900 und 1925. Dann brach innerhalb einer Generation eine ganze Inselwirtschaft zusammen, und Bahrain reagierte mit einem Gesetz, das bis heute gilt: Zuchtperlen dürfen dort nicht gehandelt werden.
Warum Golfperlen als die besten galten
Die Perle des Persischen Golfs stammt aus der Auster Pinctada radiata, einer kleinen Perlmuschel, die auf den flachen Bänken nördlich und östlich von Bahrain lebt. Das Wasser dort ist warm, salzreich und wird von Süßwasserquellen am Meeresboden durchsetzt. Diese Mischung gilt seit Jahrhunderten als Grund für den besonderen Glanz der Perlen: eine cremeweiße Grundfarbe mit einem leisen Rosé, dazu ein dichtes, gleichmäßiges Perlmutt. Golfperlen sind meist klein, große Stücke waren die Ausnahme und entsprechend teuer.
Wie selten Größe ist, zeigt ein Fall aus dem Labor der GIA, dem Gemological Institute of America: 2025 untersuchte es drei hohle Naturperlen aus Bahrain, die größte maß 16,00 × 13,94 × 11,60 Millimeter, wog aber nur 6,13 Karat. Solche hohlen Stücke finden sich auch in antikem Schmuck aus der Zeit vor 1900. Der Unterschied zur Zuchtperle mit ihrem eingesetzten Kern ist im Röntgenbild deutlich, mehr dazu unter Naturperle oder Zuchtperle.
Ein Handel, älter als jede Schrift
Die ältesten durchbohrten Perlen der Region fanden Archäologen an Küstensiedlungen des Golfs, datiert auf etwa 5.000 v. Chr. Die Austernbänke vor Bahrain wurden nach Angaben der Welterbestätte Pearling Path spätestens ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. befischt. Die UNESCO beschreibt die Perlenwirtschaft der Insel als eine Kultur, die vom 2. Jahrhundert bis ins frühe 20. Jahrhundert reichte. Bahrain, im Altertum als Dilmun bekannt, war dabei Umschlagplatz zwischen Mesopotamien, Indien und später Rom.
Der Aufstieg zur Weltmacht der Perle kam mit dem 19. Jahrhundert. 1865 zählte ein britischer Beobachter 1.500 Perlenboote allein vor Bahrain. 1877 machten Perlen drei Viertel aller Exporte der Insel aus. Die Nachfrage kam aus den Fürstenhöfen Indiens, aus Paris und aus den USA.
Der Höhepunkt um 1900 in Zahlen
Die genauesten Zahlen liefert John Gordon Lorimer, ein britischer Kolonialbeamter, dessen Gazetteer of the Persian Gulf von 1908 und 1915 die gesamte Region vermaß. Für 1905 nennt er 917 Boote und mehr als 17.500 Männer, die von Bahrain aus zur Perlenfischerei fuhren. Der Wert der Perlenausfuhr des gesamten Golfs stieg von 625.933 britischen Pfund im Jahr 1873/74 auf 1.076.793 Pfund im Jahr 1904/05. Rund 97,3 Prozent dieses Umsatzes wurden über die Händler in Manama und Muharraq abgewickelt.
Danach ging es noch einmal steil bergauf. Zwischen 1900 und 1912 versechsfachte sich der Wert der Perlenexporte Bahrains, die Saison 1911/12 gilt als Rekordjahr. Für 1913 wird der Erlös der Bahrainer Saison mit rund 9 Millionen US-Dollar angegeben. Zur Einordnung: Jacques Cartier reiste 1912 selbst nach Bahrain, um Naturperlen direkt bei den Händlern einzukaufen. Das Collier aus 128 Naturperlen, das Cartier 1917 gegen ein Haus an der Fifth Avenue tauschte, war damals 1 Million Dollar wert. Als die Besitzerin 1956 starb, wurde es nur noch mit 151.000 Dollar bewertet, die Zuchtperle hatte den Markt inzwischen verändert.
| Epoche | Zeitraum | Kennzahl |
|---|---|---|
| Frühzeit | um 5.000 v. Chr. | Durchbohrte Perlen an Küstensiedlungen des Golfs |
| Antike | ab 3. Jh. v. Chr. | Austernbänke vor Bahrain als Fischereigrund belegt |
| Aufstieg | 1865 bis 1877 | 1.500 Boote; Perlen sind drei Viertel der Exporte |
| Höhepunkt | 1905 bis 1912 | 917 Boote, 17.500 Männer, 97,3 % des Golfumsatzes, Exporte versechsfacht |
| Spätblüte | 1925 | Exporte 1.325.244 Pfund, über 500 Boote, rund 15.000 Taucher |
| Bruch | 1928 bis 1932 | Zuchtperlenverbot 1928, Börsenkrach 1929, erstes Öl 2. Juni 1932 |
| Ende | 1947 bis 1950 | Indien sperrt Perlenimporte, Fischerei kommt zum Erliegen |
Wie eine Saison auf See aussah
Die große Tauchsaison, arabisch Al Ghus Al Kabir, dauerte rund vier Monate von Juni bis September. Die Boote blieben in dieser Zeit auf den Bänken, die Besatzung lebte an Bord. Ein Taucher trug eine Nasenklammer aus Horn, band sich einen Stein an den Fuß und ließ sich an einem Seil zum Grund ziehen. Sein Partner an Bord, der Seib, zog ihn am Seil wieder hoch, länger als vier Minuten hielt kaum jemand aus. Wer 1.000 Austern öffnete, fand nach Schätzung des Historikers Robert Carter im Schnitt eine Perle je 50 Muscheln, also 20 Perlen, die wenigsten davon rund und makellos.
In den 1920er Jahren hing nach Angaben des Branchendienstes Rapaport mehr als ein Drittel der Bevölkerung Bahrains direkt an der Perle. Charles Belgrave, ab 1926 Berater des Herrschers, fasste die Lage 1928 in einem Satz zusammen.
Der Wohlstand und beinahe die Existenz Bahrains hängen von der Perlenindustrie ab.
Charles Belgrave, 1928, zitiert nach der Qatar Digital Library (übersetzt)
Drei Schläge in zwanzig Jahren
Der erste Schlag kam aus Japan. Kokichi Mikimoto hatte 1893 die erste halbrunde Zuchtperle vorgestellt, ab 1916 wurden runde Zuchtperlen in Serie produziert, wie im Beitrag Mikimoto: Wie 1893 die erste Zuchtperle entstand beschrieben. Sobald diese Perlen in den 1920er Jahren Europa erreichten, fielen die Preise für kleine Naturperlen, weil das Auge beide kaum unterscheiden konnte. Bahrain antwortete 1928 mit einer öffentlichen Bekanntmachung: Verkauf, Angebot und Besitz von Zuchtperlen zu Handelszwecken wurden verboten. Das Verbot besteht bis heute, Privatpersonen dürfen Zuchtperlen lediglich besitzen.
Der zweite Schlag war der Börsenkrach von 1929. Die Käufer in New York und Paris blieben aus, die Fürsten Indiens sparten. Der dritte Schlag kam am 2. Juni 1932, als am Jebel Al Dukhan mit 400 Barrel pro Stunde das erste Öl der arabischen Golfseite aus dem Boden schoss. Die Bahrain Petroleum Company wurde nach eigener Darstellung zum verlässlichen Arbeitgeber für Bahrainer, die vom Ende des Perlenhandels betroffen waren; 1936 lief die Raffinerie mit 10.000 Barrel am Tag. Die Ölarbeit war ganzjährig, die Perlenfischerei saisonal und meist auf Kredit. Nach Angaben von Rapaport sanken die Einnahmen aus Perlen um rund 70 Prozent.
Die Bevölkerung Bahrains fiel zwischen 1908 und 1941 von rund 100.000 auf 90.000 Menschen, weil Taucherfamilien abwanderten. 1947/48 sperrte Indien, der wichtigste Abnehmer, die Einfuhr von Perlen. Um 1950 war die traditionelle Fischerei nach Angaben der Qatar Digital Library so gut wie verschwunden.
Was von der Perlenwirtschaft blieb
Im Juni 2012 nahm die UNESCO die Stätte Pearling, Testimony of an Island Economy in die Welterbeliste auf. Sie umfasst 17 Gebäude in der Altstadt von Muharraq, drei Austernbänke im Meer mit den Namen Hayr Shtayyah, Hayr Bu Amamah und Hayr Bu-l-Thamah, einen Küstenabschnitt an der Südspitze der Insel und das Fort Qal'at Bu Mahir, von dem die Boote einst ausliefen. Die Kernzone misst 35.086 Hektar, die Pufferzone 95.876 Hektar. Die UNESCO nennt die Stätte das einzige vollständige Zeugnis einer Perlenkultur aus der Zeit vor der Zuchtperle.
Das Verbot von 1928 hatte eine Nebenwirkung: Bahrain brauchte ein Labor, das Naturperlen zweifelsfrei von Zuchtperlen trennt. 1990 entstand per Dekret das Pearl and Gem Testing Laboratory im Handelsministerium, 2017 ging es im Bahrain Institute for Pearls and Gemstones auf, kurz DANAT. Das Institut prüft nach Angaben von Rapaport über 3 Millionen Perlen im Jahr mit Röntgen und Spektroskopie. Wer eine geerbte Kette mit Golfperlen besitzt, findet unter Perlen geerbt: So lassen Sie sie schätzen die Wege zu einem Gutachten.
Die Rückkehr der Taucher
Seit 2017 vergibt Bahrain wieder Tauchlizenzen für die Perlenbänke. Rapaport nennt rund 3.000 lizenzierte Taucher, die UN berichtete 2025 von über 1.000 regelmäßig aktiven. Sie tauchen heute mit Pressluft und bleiben eine Stunde unter Wasser statt vier Minuten. Der Ertrag bleibt winzig: etwa 7 Kilogramm Naturperlen kommen jährlich aus bahrainischen Gewässern, weltweit machen Naturperlen nach Rapaport nur 0,2 Prozent des Perlenangebots aus. Genau darin liegt ihr Wert.
| Merkmal | um 1905 | seit 2017 |
|---|---|---|
| Taucher | über 17.500 | 1.000 bis 3.000 mit Lizenz |
| Tauchtechnik | Nasenklammer, Stein, Seil | Pressluft |
| Zeit unter Wasser | bis zu 4 Minuten je Tauchgang | bis zu 1 Stunde |
| Saison | 4 Monate, Juni bis September | ganzjährig möglich |
| Echtheitsprüfung | Auge und Erfahrung des Händlers | DANAT, über 3 Mio. Perlen pro Jahr |
| Zuchtperlen im Handel | noch kein Thema, ab 1928 verboten | weiter verboten |
Was das Ende der Golfperle für Käufer heute bedeutet
Praktisch jede Naturperlenkette, die auf Auktionen erscheint, wurde vor 1930 gefischt. Nachschub gibt es nur in Gramm, nicht in Tonnen. Wer Naturperlen kauft, achtet auf drei Dinge: ein Laborzertifikat mit Röntgennachweis, die Angabe der Muschelart Pinctada radiata und eine Herkunftsbeschreibung, die zur Zeit vor der Zuchtperle passt. Bahrain hat 1928 entschieden, Naturperle und Zuchtperle nie zu vermischen. Der Markt sollte es genauso halten.
Häufige Fragen
Warum galten Perlen aus dem Persischen Golf als die besten der Welt?
Die Auster Pinctada radiata bildet auf den flachen, salzreichen Bänken vor Bahrain Perlen mit sehr feinem, cremeweißem Perlmutt und leichtem Roséschimmer. Um 1905 liefen 97,3 Prozent des Perlenumsatzes am Golf über Bahrain, Händler in Paris, Bombay und New York bezogen ihre besten Stränge von dort.
Wann endete die Perlenfischerei in Bahrain?
Der Niedergang begann in den 1920er Jahren mit japanischen Zuchtperlen, verschärfte sich mit dem Börsenkrach 1929 und dem Ölfund am 2. Juni 1932. Um 1950 war die traditionelle Fischerei praktisch verschwunden.
Sind Zuchtperlen in Bahrain wirklich verboten?
Ja. Seit einer Bekanntmachung von 1928 dürfen Zuchtperlen in Bahrain nicht verkauft, angeboten oder zu Handelszwecken besessen werden. Das Verbot gilt bis heute, Privatpersonen dürfen Zuchtperlen lediglich besitzen.
Wie viele Menschen lebten in Bahrain von der Perle?
1905 fuhren 917 Boote mit mehr als 17.500 Männern aus Bahrain, 1925 waren es noch über 500 Boote mit rund 15.000 Tauchern. In den 1920er Jahren hing mehr als ein Drittel der Bevölkerung direkt von der Perlenfischerei ab.
Was ist DANAT und was prüft das Institut?
DANAT ist das Bahrain Institute for Pearls and Gemstones, 2017 als Nachfolger eines staatlichen Labors von 1990 gegründet. Es prüft nach Angaben von Rapaport über 3 Millionen Perlen im Jahr per Röntgen und Spektroskopie darauf, ob sie natürlich oder gezüchtet sind.
Kann man heute noch Naturperlen aus Bahrain kaufen?
Ja, aber in sehr kleinen Mengen. Rund 7 Kilogramm Naturperlen kommen jährlich aus bahrainischen Gewässern, weltweit machen Naturperlen etwa 0,2 Prozent des Angebots aus. Ein Kauf sollte immer mit einem Laborzertifikat erfolgen.
Quellen
- History of Pearling Pearling Path, Bahrain Authority for Culture and Antiquities
- Divers are a Pearl's Best Friend: Pearl Diving in the Gulf 1840s to 1930s Qatar Digital Library
- Bahrain's Economy: Buffeted between Pearls and Oil Qatar Digital Library
- Pearling, Testimony of an Island Economy UNESCO World Heritage Centre
- Bahrain Looks to Put Natural Pearls on the Map Rapaport
- Bahrain's Pearls: Preserving a Heritage Rapaport
- Pearl Power Rapaport
- Bahrain's pearl divers keep a millennia-old tradition alive UN News
- History of DANAT Bahrain Institute for Pearls and Gemstones
- Bapco History Bahrain Petroleum Company
- Three Large Natural Hollow Pinctada radiata Pearls GIA, Gems & Gemology
- Mansion Cartier
- Cartier Building Wikipedia
- Perlenfischerei als Zeugnis einer Inselökonomie Wikipedia



