Beide Rekorde haben etwas gemeinsam: Es sind Naturperlen, also Perlen, die ohne menschliches Zutun in der Muschel entstanden sind, und beide tragen eine Geschichte, die sich über Jahrhunderte belegen lässt. Diese Verbindung aus Seltenheit und Herkunft treibt die Preise, nicht allein die Größe. Die Rangliste zeigt, welche Stücke wann und wo den Zuschlag bekamen, und die Geschichte von La Peregrina erklärt, warum eine Perle von 1513 im Jahr 2011 das 320-Fache ihres Kaufpreises von 1969 einbrachte.
Die Rangliste der Auktionsrekorde
Vier Stücke stehen an der Spitze aller öffentlich dokumentierten Perlenauktionen. Sie stammen aus drei Jahrhunderten, wurden in Genf, New York und Hongkong versteigert und haben eines gemeinsam: Es sind Naturperlen mit belegter Herkunft. Zwei der vier Stücke sprengten ihre Schätzung deutlich, beim Anhänger der Marie-Antoinette lag der Zuschlag beim rund 18-Fachen der oberen Schätzung.
| Stück | Jahr | Auktionshaus | Zuschlag | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Perlenanhänger der Marie-Antoinette | 2018 | Sotheby's Genf | 36.427.000 CHF, rund 36 Mio. US-Dollar | Tropfenförmige Naturperle mit Diamantschleife, 1791 aus Paris geschmuggelt |
| La Peregrina (Elizabeth Taylor) | 2011 | Christie's New York | 11.842.500 US-Dollar | Birnenförmige Naturperle von 1513, rund 50,6 Karat, Collier von Cartier |
| Baroda-Perlen | 2007 | Christie's New York | 7.096.000 US-Dollar | Zweireihige Kette, 68 Naturperlen von 9,47 bis 16,04 mm |
| Cowdray-Perlen | 2015 | Sotheby's Hongkong | 5.266.667 US-Dollar | Einreihige Kette, 42 graue Naturperlen, Fassung von Cartier |
| Dreireihige Perlenkette der Marie-Antoinette | 2018 | Sotheby's Genf | 2.295.000 CHF | Naturperlen, Ende des 19. Jahrhunderts umgearbeitet, Diamantschließe später ergänzt |
Die Preise sind Zuschläge einschließlich Aufgeld, also der Betrag, den der Käufer tatsächlich an das Auktionshaus zahlt. Umrechnungen in Euro schwanken mit dem Tageskurs, deshalb bleibt hier die Originalwährung des Zuschlags stehen.
Der Anhänger der Marie-Antoinette
Das Stück ist schlicht gebaut: eine große tropfenförmige Naturperle, die an einer Diamantschleife und einem ovalen Diamanten hängt. Ursprünglich diente es als Schließe einer dreireihigen Perlenkette. Sotheby's schätzte es vor der Auktion Royal Jewels from the Bourbon Parma Family auf 1 bis 2 Millionen Franken; alle zehn Stücke der Königin zusammen waren auf 1,6 bis 2,9 Millionen Franken geschätzt. Nach 14 Minuten Bietergefecht fiel der Hammer bei 32 Millionen Franken, mit Aufgeld lag der Preis bei 36.427.000 Franken, ein neuer Rekord für eine Naturperle.
Die Herkunft erklärt den Aufschlag. Der Anhänger gehört zu den Juwelen, die 1791 bei Nacht verpackt wurden, als das Königspaar die Flucht aus dem Tuilerienpalast vorbereitete. Die Stücke gelangten nach Brüssel und weiter nach Wien, wo sie im Haus Bourbon-Parma über 200 Jahre in der Familie blieben. Die zehn Juwelen aus dem Besitz der Königin brachten zusammen 43,1 Millionen Franken, die gesamte Auktion 53,5 Millionen Franken. Kein einziges Los blieb unverkauft.
Fünf Jahrhunderte auf Reisen mit La Peregrina
La Peregrina, spanisch für die Pilgerin oder die Wanderin, wurde 1513 vor den Perleninseln im Golf von Panama gefunden. Ein versklavter Taucher brachte sie an Land, der Verwalter Pedro de Temez schickte sie an den spanischen Hof. Die Perle wog damals 223,8 Grain, das sind 55,95 Karat oder 11,2 Gramm; ein Grain ist die alte Gewichtseinheit für Perlen und entspricht einem Viertel Karat. Nach dem Bohren und Reinigen im Jahr 1913 blieben rund 204 Grain; Christie's gab 2011 202,24 Grain an, rund 50,6 Karat.
Philipp II. schenkte die Perle 1554 seiner Braut Maria I. von England. Nach deren Tod kehrte sie nach Spanien zurück und blieb rund 250 Jahre im Kroninventar. Joseph Bonaparte nahm sie während seiner Herrschaft von 1808 bis 1813 an sich, vererbte sie an Napoleon III., und der verkaufte sie im Exil an James Hamilton, Herzog von Abercorn. Die Familie Hamilton hielt die Perle bis 1969. Sie war in diesen Jahrhunderten Hochzeitsgeschenk, Kronjuwel, Kriegsbeute und Notgroschen, und jede Station ist dokumentiert. Das ist bei Perlen selten und macht einen großen Teil ihres Wertes aus.
Von 37.000 auf 11,8 Millionen US-Dollar
1969 kam La Peregrina bei Sotheby's London unter den Hammer. Richard Burton ersteigerte sie für 37.000 US-Dollar und schenkte sie Elizabeth Taylor zum Valentinstag. Taylor ließ bei Cartier ein Collier aus Naturperlen, Rubinen und Diamanten anfertigen, in dem die Perle als Anhänger hängt. In dieser Fassung wurde sie zum bekanntesten Perlenschmuck des 20. Jahrhunderts.
Nach Taylors Tod versteigerte Christie's New York ihre Sammlung. Am Abend des 13. Dezember 2011 stand La Peregrina mit einer Schätzung von 2 bis 3 Millionen US-Dollar im Katalog. Nach viereinhalb Minuten lag der Zuschlag bei 11.842.500 US-Dollar, bis 2018 der Weltrekord für ein Perlenschmuckstück. Die ersten 80 Lose der Sammlung brachten zusammen mehr als 115 Millionen US-Dollar. Gerechnet vom Kaufpreis 1969 hat sich der Wert in 42 Jahren auf das 320-Fache erhöht, wobei ein Teil davon auf das Collier von Cartier und den Namen Taylor entfällt.
Die Baroda-Perlen und die Cowdray-Perlen
Bei Ketten zählt die Übereinstimmung der Perlen, nicht ein einzelnes Stück. Die Baroda-Perlen stammen aus einer siebenreihigen Kette, die Maharadscha Khande Rao Gaekwad zwischen 1856 und 1870 zusammentragen ließ. Für die Auktion bei Christie's New York am 25. April 2007 wurden aus den besten Reihen zwei Stränge mit 68 Perlen gebildet, 33 innen und 35 außen, Durchmesser 9,47 bis 16,04 mm, verbunden durch eine Diamantschließe von Cartier. Mit Brosche, Ohrgehängen und Ring erzielte das Ensemble 7.096.000 US-Dollar, innerhalb der Schätzung von 7 bis 9 Millionen.
Die Cowdray-Perlen sind kleiner, aber in ihrer Farbe fast ohne Vergleich: 42 natürliche graue Salzwasserperlen, gefasst von Cartier, aus der Sammlung von Viscountess Cowdray (1860 bis 1932). Die Kette wurde 1937 bei Sotheby's London versteigert und kam am 13. Juni 2012 bei Christie's London mit nur noch 38 Perlen erneut unter den Hammer, für rund 3,35 Millionen US-Dollar. Danach wurde sie mit den Perlen aus einem Ohrringpaar und zwei weiteren Naturperlen wieder auf die ursprünglichen 42 Perlen aufgefädelt und erzielte am 7. Oktober 2015 bei Sotheby's Hongkong 5.266.667 US-Dollar bei einer Schätzung von 4,5 bis 7 Millionen US-Dollar, ein Rekord für graue Naturperlen und ein Plus von etwa 2 Millionen US-Dollar in drei Jahren.
Warum Naturperlen solche Preise erzielen
Alle fünf Stücke in der Tabelle bestehen aus Naturperlen. Seit Zuchtperlen ab den 1920er Jahren den Markt übernahmen, kommen kaum noch neue Naturperlen in den Handel; was versteigert wird, stammt aus alten Sammlungen. Der Unterschied ist im Labor nachweisbar: Eine Naturperle hat keinen eingesetzten Kern, das Röntgenbild zeigt konzentrische Schichten bis zur Mitte. Was das für Kauf und Bewertung heißt, erklärt der Beitrag Naturperle oder Zuchtperle.
Der zweite Preistreiber ist die Provenienz, also die lückenlos belegte Kette der Besitzer. Beim Anhänger der Marie-Antoinette lag die Schätzung bei 1 bis 2 Millionen Franken, der Zuschlag bei 36,4 Millionen. Die Differenz ist der Preis der Geschichte. Ob sich daraus eine Regel für den eigenen Kauf ableiten lässt, prüft der Beitrag Sind Perlen eine Wertanlage?
Was die Rekorde für den normalen Kauf bedeuten
Die Rekorde spielen in einer eigenen Liga. Selbst die 2.295.000 Franken für die dreireihige Kette der Königin liegen weit über allem, was im Handel für Naturperlen aufgerufen wird. Wer die Zahlen dennoch als Maßstab nimmt, achtet auf drei Dinge: die Art der Perle, den Zustand der Oberfläche und die Dokumentation. Große Auktionshäuser veröffentlichen Schätzung und Zuschlag, und die Lücke zwischen beiden zeigt, wie viel der Markt für Geschichte bezahlt. Bei den vier Rekordstücken reichte die Spanne von etwa 0,8 der oberen Schätzung bei den Baroda-Perlen (7,1 Millionen bei 7 bis 9 Millionen) und den Cowdray-Perlen (5,3 Millionen bei 4,5 bis 7 Millionen) über das knapp Vierfache bei La Peregrina bis zum rund 18-Fachen beim Anhänger der Marie-Antoinette.
Häufige Fragen
Welche Perle ist die teuerste der Welt?
Der Perlenanhänger der Marie-Antoinette hält den Rekord. Sotheby's Genf versteigerte ihn am 14. November 2018 für 36.427.000 Schweizer Franken, rund 36 Millionen US-Dollar, bei einer Schätzung von 1 bis 2 Millionen Franken. Es ist eine tropfenförmige Naturperle an einer Diamantschleife.
Wie viel ist La Peregrina heute wert?
Der letzte belegte Preis stammt vom 13. Dezember 2011: 11.842.500 US-Dollar bei Christie's New York. Seither befindet sich die Perle in Privatbesitz, ein neuer Verkauf ist nicht dokumentiert. Jede aktuelle Wertangabe ist daher eine Schätzung.
Warum hat Elizabeth Taylors Perle so viel gekostet?
La Peregrina ist eine 1513 gefundene Naturperle von rund 50,6 Karat mit lückenloser Herkunft über spanische Könige, Bonapartes und britischen Adel. Dazu kamen das Collier von Cartier und der Name Taylor. Die Schätzung lag bei 2 bis 3 Millionen US-Dollar, der Zuschlag beim knapp Vierfachen der oberen Grenze.
Was ist die teuerste Perlenkette der Welt?
Die Baroda-Perlen: zwei Reihen mit 68 Naturperlen von 9,47 bis 16,04 mm, versteigert am 25. April 2007 bei Christie's New York für 7.096.000 US-Dollar. Die teuerste einreihige Kette sind die Cowdray-Perlen mit 42 grauen Naturperlen, 5.266.667 US-Dollar bei Sotheby's Hongkong am 7. Oktober 2015.
Wo wurde La Peregrina gefunden?
Die Perle wurde 1513 vor den Perleninseln im Golf von Panama gefunden und über den Verwalter Pedro de Temez an den spanischen Hof geschickt. Sie wog ursprünglich 55,95 Karat und war damals die größte bekannte Perle.
Was zahlte Richard Burton für La Peregrina?
Richard Burton ersteigerte die Perle 1969 bei Sotheby's London für 37.000 US-Dollar und schenkte sie Elizabeth Taylor zum Valentinstag. 42 Jahre später brachte sie 11.842.500 US-Dollar, das 320-Fache.
Quellen
- Marie Antoinette's Pearls Break Auction Records in Geneva Sotheby's
- Marie Antoinette's pearl pendant sells for record $36 million CBS News
- Rekordpreis bei Genfer Auktion: 36,4 Millionen Franken für einen Perlenanhänger SRF
- Results of Elizabeth Taylor's record-breaking jewels auction New York The Jewellery Editor
- La Peregrina, legendary pearl from Elizabeth Taylor's collection Antiques and Art Ireland
- Most expensive pearl Guinness World Records
- La Peregrina pearl Wikipedia
- Baroda Pearl Necklace Internet Stones
- Sotheby's Hong Kong to Auction Legendary Cowdray Pearls JCK
- The record-breaking Cowdray pearls sell for $5.3m at Sotheby's The Jewellery Editor



